Digital Detox für mehr Glück, zwei Frauen, eine mit Smartphone, keine Kommunikation
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Digital Detox (digitale Entgiftung) bedeutet, bewusst den eigenen Digitalkonsum zu reduzieren. Wirkt sich Digital Detox auch aufs Glück aus? Ich glaube ja. Der Glücksimpuls des Tages.

Unser Leben verschiebt sich, gewollt oder ungewollt, immer weiter in die neuen digitalen Welten, die sich via Internet, Apps, Social Media usw. besuchen lassen. Es gibt bereits eine Generation, die ein Leben ohne Handys/Smartphones, soziale Netzwerke und Co. gar nicht mehr kennt.

Zu den psychischen Auswirkungen der Digitalisierung wird rege geforscht. Die Befunde sind nicht ganz eindeutig. Ein pauschales Fazit ist nicht möglich. Viele Studien finden negative Auswirkungen (z. B. auf die Konzentration und Aufmerksamkeitsspanne, soziale Kompetenzen usw.; siehe auch unten), andere kommen zu abweichenden Ergebnissen.

Aus diesem Grund erscheint mir besonders der Blick auf den Einzelnen bzw. die Einzelne wichtig. Ich glaube, dass es durchaus viele Menschen gibt, denen die neuen digitalen Welten aufgrund eines Hyperkonsums nicht guttun und negative Auswirkungen auf ihr Glück und ihre Lebenszufriedenheit erleiden.

Wenn du deinen eigenen aktuellen Smartphone-Konsum (oder PC, Xbox usw.) reflektieren möchtest, könnten dir die folgenden Fragen helfen:

  • Wie viel Zeit (pro Tag, Woche, Monat) verbringe ich regelmäßig am Smartphone?
  • Was genau mache ich in dieser Zeit?
  • Wie geht es mir damit?
  • Welche Auswirkungen hat das langfristig (auf meine Lebensziele, mein Befinden usw.)?
  • Was davon trägt zu meinem persönlichen Wohlbefinden bei und was nicht?

Ich persönlich glaube, dass die neuen digitalen Welten nicht per se schlecht sind und negative Auswirkungen haben müssen. Es kommt ganz darauf an, wie und wofür man sie nutzt. Und dass man wieder lernt (oder nicht verlernt), sinnlosen Versuchungen zu widerstehen, die ihre „Schöpfer“ aus, seien wir ehrlich, Gründen der Gewinnmaximierung gewissermaßen in sie eingebaut haben.

Sprich: Wir sollten vor allem die Fähigkeit nicht verlieren, selbst zu entscheiden, wie viel wir uns in ihnen aufhalten und wofür wir sie nutzen.

Das ist sicherlich nicht ganz einfach, denn natürlich ist es das Ziel der Erschaffer, uns in einem gewissen Ausmaß von den digitalen Welten abhängig und uns süchtig zu machen.

Digital Detox und Glück

Eine regelmäßige Digital Detox (von engl. detoxification: Entgiftung) kann uns dabei helfen, unsere Selbstbestimmung zu bewahren. Digital Detox bedeutet einen teilweisen oder auch vollständigen Verzicht auf die Nutzung digitaler Medien wie beispielsweise Smartphones.

Nicht zuletzt aufgrund der vielfältigen Nutzung digitaler Medien im modernen Arbeitsleben dürften wohl nur die wenigsten von uns die Möglichkeit zu einer vollständigen und längerwährenden digitalen Entgiftung haben. Aber bereits eine temporäre, zeitlich begrenzte Digital Detox kann sehr positive Auswirkungen haben. Zu denken ist hierbei unter anderem an:

  • Verbesserte Selbststeuerung (u. a. Versuchungen widerstehen können, vgl. das Konzept des Belohnungsaufschubs)
  • Verbesserte Erholung/Regeneration
  • Erholung, im Bilde gesprochen, auch unseres Konzentrationsmuskels
  • Potenziell mehr Fokus auf Dinge, die unsere Grundbedürfnisse befriedigen (z. B. bedeutungsvolle zwischenmenschliche Beziehungen), weshalb Digital Detox und Glück meiner Meinung nach in einem direkten Zusammenhang stehen

Hier abschließend noch ein paar Tipps, wie Digital Detox gelingen kann:

  • Auch wenn’s schwerfällt: Feste Smartphone-freie Zeiten einplanen (statt zu glauben, das würde spontan gelingen)
  • Sich vorab positive Aktivitäten überlegen, die man stattdessen durchführen könnte (denn besonders am Anfang einer Digital Detox kann es zu regelrechten Entzugssymptomen kommen)
  • Ggf. Verwandte, Freunde und Co. vorab informieren, insbesondere dann, wenn wichtige Dinge anstehen
  • Ablenkende Stimuli reduzieren (z. B. Smartphone in eine Box oder Schublade legen, ausschalten), Orte mit digitalem „Noise“ meiden
  • In kleinen Schritten denken: Wenn die Entgiftung anfänglich schwerfällt, einfach mit ein paar Minuten oder einer Stunde anfangen und sich langsam steigern
  • Sich regelmäßig bewusst machen, warum die digitale Entschlackung langfristig guttut (Stichwort Digital Detox & Glück)

Und wie sieht es bei dir aus? Hast du selber schon einmal Digital Detox betrieben? Was sind deine Erfahrungen damit?

Quellen und zur Vertiefung

Schmuck, D. (2020). Does digital detox work? Exploring the role of digital detox applications for problematic smartphone use and well-being of young adults using multigroup analysis. Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking, 23(8), 526-532.

Walsh, L. C., Regan, A., Okabe-Miyamoto, K., & Lyubomirsky, S. (2021). Does Putting Away Your Smartphone Make You Happier? The Effects of Restricting Digital Media and Social Media on Well-Being.

Foto: Pixabay

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  • André Martens

    André Martens ist studierter Philosoph und Psychologe mit mehrjähriger Erfahrung im Bereich der klinischen Psychologie. Er ist der Gründer des Blogs gluecksquellen.de. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich privat und professionell mit dem Thema Glück.

2 Gedanke zu “Digital Detox und Glück (Glücksimpuls Nr. 44)”
  1. Ein halbes Jahr, von April bis September sind wir im Wochenend-Haus. Kein TV, kein Smartphone, nur ein Telefon. Ganz ehrlich, wir haben oft Entzugserscheinungen, aber wir halten durch. Nicht zum nachmachen zu empfehlen, Hammer hart. Aber, ich lese zur Zeit 3 Bücher aufeinmal. Und abends vorgelesen, T. Fontane.

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