Seneca, stoischer Philosoph, über da Glück, Büste

In der Rubrik „Glücksimpulse“ stelle ich regelmäßig Gedankenanstöße und Glücksaktivitäten vor, die sich leicht im Alltag umsetzen lassen oder zum Nachdenken anregen. Heute: Glück, stoisch verstanden.

Die Stoa ist eine antike philosophische Schule. Oft spricht man auch vom Stoizismus, bei ihren Vertretern von Stoikern. Bereits vor rund 2000 Jahren beschäftigten sich verschiedene Stoiker mit dem menschlichen Glück. Die bekanntesten (wenngleich nicht immer originellsten) Vertreter der Stoa waren wohl Lucius Annaeus Seneca, Epiktet und Marc Aurel. Von Seneca kommt auch der heutige Glücksimpuls in Form eines längeren Zitats, das zum Nachdenken anregt. Es stammt aus seiner Schrift De vita beata (dt. Vom glücklichen Leben).

Seneca schreibt dort:

Glücklich ist also dasjenige Leben, das mit seiner Natur in vollem Einklang steht. Dies Ziel zu erreichen ist aber nicht anders möglich als wenn zuvörderst der Geist gesund und im dauernden Besitz dieser seiner Gesundheit ist, wenn er ferner tapfer und voll Feuer ist, sodann auch im Leiden ein schönes Muster von Ergebenheit, in die Umstände sich schickend, achtsam auf den Körper und seine Bedürfnisse, doch nicht bis zur Ängstlichkeit, voll Bedacht auch für alles, was sonst zum Leben gehört, ohne die mindeste Überschätzung, bereit, des Schicksals Gaben zu nutzen, nicht aber, um sich zu ihrem Sklaven zu machen. Als Folge davon stellt sich (…) andauernde Ruhe verbunden mit dem Gefühl der Freiheit ein unter Fernhaltung von allem, was uns reizt oder in Schrecken versetzt. Denn ist der Reiz der Sinnengenüsse geschwunden, so stellt sich statt dessen, was kleinlich, hinfällig und eben durch seine Lasterhaftigkeit schädlich ist, eine erstaunlich frohe Stimmung ein, unerschütterlich und sich immer gleichbleibend, sodann Friede und Eintracht der Seele, sowie hochherzige Gesinnung verbunden mit Sanftmut (…).

Seneca, De vita beata, 3, in der Übersetzung von Otto Apelt (um 1923/24)

An diesem Zitat erkennt man meines Erachtens schön die erstaunliche Praxisorientierung und Aktualität vieler Schriften Senecas. In wenigen Zeilen werden Themen wie Achtsamkeit, psychische/mentale Gesundheit, Bedürfnisse, Seelenfrieden, immaterielle Werte und Resilienz gestreift. Hach, ich bin immer wieder begeistert. Und zugleich dürfte sein Hang zu einem gewissen Pathos deutlich werden …

Was haltet ihr von Senecas stoischer Vorstellung vom Glück? Schreibt eure Meinung gerne unten in die Kommentare.

Mehr über die Ethik der Stoiker und Glück, stoisch verstanden, findet ihr u. a. in folgendem Blog-Artikel:

Was sind Adiaphora?

Foto: Pixabay

Von André Martens

André Martens ist studierter Philosoph und Psychologe mit mehrjähriger Erfahrung im Bereich der klinischen Psychologie. Er ist der Gründer des Blogs gluecksquellen.de. Seit vielen Jahren beschäftigt er sich privat und professionell mit dem Thema Glück.

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